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“Safety first!” - Die Bedeutung psychologischer Sicherheit für agil arbeitende Teams

Agile Leadership | High-Performance Teams | Psychological Safety

#1: Die Bedeutung psychologischer Sicherheit für agil arbeitende Teams

#2: Die Bedeutung psychologischer Sicherheit für High-Performance-Teams

#3: Wie Führungskräfte Psychologische Sicherheit fördern können

Warum gerade agil arbeitende Teams psychologische Sicherheit brauchen

“Psychologische Sicherheit ist kein Nice-to-have. Es ist essentiell, um in einer VUKA-Welt auf hohem Level leistungsfähig zu sein.” sagt Amy Edmondson, Psychologin und Professorin an der Harvard Business School. Agil arbeitende Teams arbeiten in einem Umfeld, in dem weder die Anforderungen an ihre Arbeit noch die Lösungswege zu 100% klar sind. Diese Ungewissheit löst Unbehagen aus, denn Ungewissheit mag  unser Gehirn gar nicht gern. Am liebsten würde es immer genau vorhersagen können, was als nächstes passiert, um sofort angemessen darauf reagieren zu können. Das gelingt am besten, wenn es auf Erfahrungen zurückgreifen kann. Darauf folgt dann Schema F, das spart Energie. Unser Gehirn ist nämlich sehr knauserig was den Energiehaushalt angeht und nutzt jede Gelegenheit, um in gewohnte Routinen zurückzukehren. So eine VUKA-Welt, in der wir leben, ist für unser Gehirn - oder besser gesagt für die Menschen, die dieses Gehirn tragen - Stress pur. Sie versuchen auf Erfahrungswerte zurückzugreifen, indem sie in diesem komplexen Chaos doch irgendein logisches Muster erkennen, das ihnen bekannt vorkommt, um diese elende Ungewissheit doch bitte in Luft auflösen zu lassen. Aber was tun, wenn es partout nicht möglich ist auf bewährte Erfahrungen zurückzugreifen und präzise Vorhersagen für die Zukunft zu machen - sprich wie in den meisten Projekten heutzutage? Zum einen können Teams einen agilen Ansatz wählen und den Planungs- und Entwicklungszeitraum verkürzen. Es ist einfacher den Projektverlauf für vier Wochen vorherzusagen und zu steuern als für 18 Monate. Dafür bestehen zu viele Abhängigkeiten im globalen Markt, die es unmöglich machen “wenn-dann-Vorhersagen” zu treffen. Oder hast du bereits vor einem Jahr die um 25% steigenden Rohstoffkosten in deinem Projekt einkalkuliert? I doubt it. Neben der Verkürzung des Planungs- und Entwicklungszeitraums gehört es zum Selbstverständnis agilen Arbeitens “einfach mal zu machen”. Wenn Projektteams eh keine verlässlichen Vorhersagen treffen können, weil keine Erfahrungswerte vorliegen, dann sind sie gut beraten einfach auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. Dabei passieren zwangsläufig Fehler und hier kommt psychologische Sicherheit ins Spiel.

„Der Profi macht nur neue Fehler. Der Dummkopf wiederholt seine Fehler. Der Faule und der Feige machen keine Fehler.“ (Oscar Wilde)

Was Psychologische Sicherheit bedeutet...

Amy Edmondson, Psychologin und Professorin an der Harvard Business School, hat psychologische Sicherheit erforscht und definiert sie als eine “gemeinsame Überzeugung aller Mitglieder eines Teams, dass innerhalb dieses Teams die Sicherheit gegeben ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen.” Zugegeben, diese Definition musste ich auch zweimal lesen bevor ich etwas damit anfangen konnte. Anders ausgedrückt: Bewertet ein Team das Arbeitsklima als “psychologisch sicher”, dann trauen sich die Teammitglieder offen zu sprechen, da sie nicht fürchten, bloßgestellt zu werden oder anderweitige negative Konsequenzen tragen zu müssen. Mit psychologischer Sicherheit können Missstände oder eigene Fehler offen angesprochen werden. Genauso kann aber auch geäußert werden, welche Risiken oder Schwachpunkte eine vorgeschlagene innovative Idee hat - selbst wenn diese Idee von der eigenen Führungskraft stammt.

Insbesondere agil arbeitende Teams sind darauf angewiesen, mutig neue Wege zu gehen und aus ihren Erfahrungen zu lernen. Dabei gehören auch Fehler zum Lern- und Entwicklungsprozess. Ohne psychologische Sicherheit kann es keine Lernzone geben.

Abb. 1. Der Zusammenhang zwischen Psychologischer Sicherheit und Leistungsanspruch (aus “The fearless organization” (A. Edmondson, 2019. S. 18).

Aber nicht nur Lernen und Weiterentwicklung werden positiv beeinflusst. Im folgenden sind noch weitere Zusammenhänge dargestellt, die durchaus beachtenswert sind.

Je höher die psychologische Sicherheit, desto...

Abb. 2. Zusammenhang zwischen psychologischer Sicherheit und weiterer Faktoren (aus “The fearless organization” (A. Edmondson, 2019).

Spätestens jetzt sollte klar sein, warum psychologische Sicherheit kein nice-to-have, sondern essentiell ist. Um so einen wichtigen Aspekt der Zusammenarbeit besser zu verstehen, sollten wir uns auch  anschauen, was psychologische Sicherheit nicht ist.

Was Psychologische Sicherheit nicht bedeutet... 

Vertrauen

Es liegt nahe, psychologische Sicherheit und Vertrauen gleichzusetzen. Laut Edmondson ist der Unterschied, dass Vertrauen nur zwischen zwei Personen liegen kann und psychologische Sicherheit für das ganze Team gemeinsam beurteilt wird. Wenn wir das auf ein Scrum Team übertragen, bedeutet das, dass kein Scrum Teammitglied für ein anderes sprechen und behaupten kann, dass ein Developer dem Product Owner nicht vertraut. Das kann nur der Developer selbst für sich bewerten. Dagegen wird psychologische Sicherheit immer auf Gruppenebene bewertet. Hier zählt die gemeinsame Überzeugung eines Teams, dass man im Team offen sprechen kann.

Nettsein

Bei psychologischer Sicherheit geht es auch nicht darum, immer einer Meinung zu sein oder aus Höflichkeit die eigene Meinung zurückzuhalten. Im Gegenteil. In psychologisch sicheren Teams trägt man Meinungsverschiedenheiten offen und konstruktiv aus. Das erhöht die Diversität von Perspektiven, reduziert das Risiko von Gruppendenken und lässt das Gesamtwissen im Team wachsen. Das erhöht die Innovationskraft von agil arbeitenden Teams enorm. Die Angst, dass psychologische Sicherheit  ein “Kuschelfaktor” sei, ist also unbegründet.

Leistungsstandards heruntersetzen

Bei psychologischer Sicherheit geht es nicht darum, eine Wohlfühlzone zu errichten, in der Teams nur dann arbeiten, wenn sie Lust dazu haben. Psychologische Sicherheit ist sogar die unverzichtbare Basis für eine ambitionierte, kollaborative und effektive Arbeitsumgebung. Wie wichtig psychologische Sicherheit für Hochleistungsteams ist, zeigt die Google-Studie “Project Aristotle”.

Fazit

In einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt, nimmt der Anteil an Wissensarbeit und agil arbeitenden Teams zu. Damit wird psychologische Sicherheit künftig eine noch bedeutendere Rolle spielen. Wenn sie als fester Bestandteil in der Unternehmenskultur verankert wird, kann sich hieraus ein Wettbewerbsvorteil ergeben. Wie sich psychologische Sicherheit auf die Entwicklung von High-Performance Teams auswirkt, liest du im zweiten Teil dieser Blogserie.

#1: Die Bedeutung psychologischer Sicherheit für agil arbeitende Teams

#2: Die Bedeutung psychologischer Sicherheit für High-Performance-Teams

#3: Wie Führungskräfte Psychologische Sicherheit fördern können